Was muss das für eine Ort sein, an dem so viele die Flucht ergreifen wollen?

Der RomanSansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch dreht sich um einen Ort namens Rerik, an welchem eine Gruppe von Leuten zufällig um 1937 zusammentrifft. Diese besteht u.a. aus der Jüdin Judith, dem Fischer Knudsen und dessen Helfer „der Junge“ sowie dem KPD-Funktionär Gregor, die alle nur ein Ziel verfolgen: Die Flucht. So sehr sich das Ziel jedoch im ersten Moment ähnelt, so unterschiedlich ist es auf den zweiten: Die Ursache, die zur Flucht antreibt, hätte unterschiedlicher nicht sein können. Der einzige Schnittpunkt: „Die anderen“.

Ich durfte dieses Buch im Rahmen des Deutschunterrichts lesen und gefühlt in hunderte Einzelteile zerlegen, um diese dann in neuer Weise miteinander zu verknüpfen, sodass sich ein gänzlich neues Bild zusammenfügte. Denn, obwohl sich dieses Buch einfach lesen lässt, findet man doch viele, tiefgehende Stellen, über die es eingehend nachzudenken gilt. Dabei sind es mehr die Taten als die Gedanken der Personen, die den Leser zum Nachdenken bringen, beispielsweise die Beziehung des Pfarrers zu Gott und seine darauffolgende Tat, von der er nie gedacht hätte, dass er dazu fähig wäre.

Der Schreibstil war angenehm, der Aufbau ließe sich in etwa so beschreiben:
Abwechselnd kommt ein Kapitel aus der Sicht des Jungen und dann eines aus der Sicht irgendeiner anderen Figur. Während anfangs jede Figur alleine für sich steht, so verweben sie sich mit der Zeit zu einen dicken Knäuel aus Beziehungen: Die Flucht kann beginnen!

Zu Anfang agieren die Figuren als Stellvertreter einer bestimmten Gruppe, beispielsweise steht der Fischer Knudsen für das einfache Volk, der Pfarrer für das Geistliche und der Junge für die Jugend. Im Laufe der Handlung erfahren sie jedoch eine Entwicklung, die sie zu individuellen Charakteren macht.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist das rationale Denken der Figuren, das ausgeprägt dargestellte Zwischenmenschliche, sowie die Gedanken der Figuren, die hier sehr zur Geltung kommen.

Fazit:
Das Buch konnte mich zwar jetzt nicht vom Hocker hauen, dennoch war es eine interessante Erfahrung für mich. Der Leser sollte jedoch gewarnt sein: Dieses Buch dreht sich weniger um Spannung als um Gedanken(Zwiespälte), die einem sehr zu denken geben können, wenn sie denn erstmal richtig erfasst sind. Daher ist dieses Buch überhaupt nichts für den Genuss-Leser, dafür umso mehr etwas für den, der sich auch wirklich gerne mit Gedanken- und zwischenmenschlichen Konflikten auseinandersetzt.

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