En Garde! Zücke deinen Säbel…Florett…Degen?

„Fence“ (1-6) von C.S. Pacat, Johanna the Mad und Rebecca Nalty sollte mit einer Warnung kommen. Nur weil die moderne Fechtwaffe keine Spitze im eigentlichen Sinne hat, bewahrt es uns nicht vor der Gefahr, dass dieser Comic unser aller Herzen durchbohren wird.
Solange unser aller Herzen, noch unversehrt, ihren normalen Sinusrhythmus folgen, erlaubt mir, euch ein wenig über die Geschichte zu erzählen.

Es geht um eine Reihe junger Männer, die ihre Säbel kreuzen. Ein Schelm, der etwas Böses denkt.
Wobei hier angemerkt sei, dass sich das Format des Comics alleine schon lohnt, um in den Genuss der durchaus ästhetischen Charaktere zu gelangen.

Nun aber ernsthaft. Nicholas Cox hat ein Ziel, er will das Fechten lernen und gegen seinen Halbbruder antreten, welcher Papas Liebling und der amtierende Champion im Fechten ist. Leider befindet sich Nicholas nicht in der Lage, dieses teure Hobby zu finanzieren. Ein Stipendium einer Privatschule für junge Fechter könnte seine Eintrittskarte werden, die ihn von der schäbigen Highschoolturnhalle an die Spitze des Fechtsports führen könnte. Wir begleiten Nicholas auf seinem Weg, auf welchem er schon bald einen Vorgeschmack bekommt, was es bedeutet, gegen die Besten anzutreten. Selbst für jemanden, der mit so viel Leidenschaft kämpft wie Nicholas, können Niederlagen, Manipulation und nicht zu letzt das Mangelnde wissen seines Vaters über seine bloße Existenz eine untragbare Last und Herausforderung sein. Dass Seiji Katayama, der amtierende Zweitplatzierte, Nicholas Wege mehr als einmal kreuzt, erleichtert seinen Kampf gegen die anderen Sportler und seine eigenen Zweifel in keinster Weise. Die Gefühle zwischen Nicholas und Seiji sind alles außer freundschaftlich und es stellt sich die Frage, ob Seiji überhaupt so etwas wie Gefühle besitzt.

Der Erzählstil schlägt das perfekte Tempo an, um die Geschichte spannend zu gestalten und dem Leser trotzdem die nötige Zeit zu gewähren, um die Charaktere vorzustellen und ihm die Grundlagen des Fechtens zu vermitteln. So ist es auch für Leser ohne Fechtsporthintergrund möglich, die Geschichte zu verfolgen, ohne in Verwirrung zu ertrinken. Wobei ich gestehen muss, dass die eigenen Trainingserinnerungen das Leseerlebnis enorm aufwerten.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Nach ein paar Sätzen hat man sofort ein ausdrucksstarkes Bild, um was für eine Art von Menschen es sich handelt. Dadurch ist die Bindung zu den Charakteren schnell aufgebaut, obwohl ein Heft nur circa dreißig Seiten hat. Die Charaktere sind in ihren Grundzügen stabil und glaubhaft, auch die Dynamik zwischen den einzelnen Sportlern lässt mein Herz höher schlagen. Freundschaft, Machtkämpfe, psychologische Kriegsführung und potentielle Romanzen verschmelzen zu einem wunderbaren Leseerlebnis, welche die Trauer über die Kürze des Werkes nur noch verstärkt.

Vielleicht noch ein paar Infos für Comicneulinge:
Die Fence-Comics sind mittlerweile auf Amazon und auch für Kindle, dadurch relativ preiswert, zu erstehen. Wer lieber das hübsch eingeschweißte Heft besitzen möchte, kann sich zudem noch an den Online-Comicladen „BoomBox“ wenden. Die Qualität der Comics als solche finde ich gut. Sie sind auf dickem Papier gedruckt, die Seiten sind matt und die Farben sehr schön.
Leider wurde der Comic noch nicht übersetzt und ist so nur in Englisch erhältlich, welches aber gut verständlich ist und sich auf normale Umgangssprache beschränkt.

Fazit: Dieser Comic ist nicht nur für Fechtsportler geeignet, auch die Stubenhocker unter euch können sich an der starken Charakterdynamik und dem schönen Zeichenstil erfreuen. Die Hefte lesen sich schnell, was auf der preislichen Seite einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Bedenkt man jedoch die Arbeit und Qualität, erscheint mir der Preis gerechtfertigt. Ich kann diesen Comic gerade Neulingen empfehlen, die gerade nach ihrem potentiellen ersten Comic Ausschau halten. Vielleicht inspiriert es den einen oder anderen sogar dazu, eine neue Sportart auszuprobieren.

 

Fechten, Comic, Sportcomic, Sport, Homosexualität, Romanze, Konkurrenzkampf, daddy issues

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