Zurückversetzt in die Zeit um 1682 – ein absolutes Highlight

Ein unglaublich gelungener historischer Roman von Anfang bis Ende – „Das Mätressenspiel“ von Martha Sophie Marcus.
1682, Hannover. Helenas Familie ereilt die schockierende Nachricht, dass ihr Zwillingsbruder Lorentz umgekommen ist. Als ob das nicht schon schlimm genug ist, beansprucht ihr Onkel Roderik nun das gesamte Familienerbe für sich, da er der einzige verbliebene männliche Nachfahre der Familie Brünneck-Minnigerode ist.
Hinzu kommt die noch immer währende Verschuldung der Familie. Alle setzen nun auf Helena: Diese soll Adrian von Schwanewede heiraten und würde so das Gut Minnigerode sichern. Doch es kommt anders.
So muss sich Helena auf den Weg zu Hofe begeben. Ihre einzige Hoffnung – einen Ehemann zu finden, der ihrer Familie aus der Patsche helfen könnte.
Dass sie dabei jedoch in ein gefährliches Intrigenspiel der herzoglichen Mätresse gerät, damit hätte sie sicherlich nicht gerechnet.

Zu Anfang möchte ich gleich erwähnen: Das war mein erster historischer Roman und er konnte mich von Anfang an durchweg begeistern.
Die Autorin hat es durch den etwas altmodischen Redestil der Figuren geschafft, mich sofort in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurückzuversetzen.

„Dein Urteilsvermögen in diesen Dingen ist über jeden Zweifel erhaben(S. 32).“

Wie eine Herzogin auf einem Schloss durfte ich mich dank zahlreicher nebensächlichen Komponenten fühlen: Die der Zeit angepassten Wortwahl, die (Schloss-)Gärten, die ungeschriebenen Regeln zu Hofe und die Art der Kleidung.
Was ich garantieren kann: Eine Spannung, die sich durch das gesamte Werk zieht, in einem stetigen Anstieg. Nur auf den letzten Seiten findet sich ein leichter Abfall, aber selbst da will man wissen: Und, wie geht es nun weiter?
All das nicht nur der interessanten Handlung wegen, viel mehr wegen der einfallsreichen Charaktere, die diese Autorin geschaffen hat. Diesen hat die Schriftstellerin nämlich eine solch realistische Form verliehen, auch im Hinblick auf den historischen Hintergrund, ihren jeweiligen Stand und ihre derzeitige Situation, dass man gar nicht anders konnte, als mit ihnen mitzufiebern.
Martha Marcus hat es geschafft, Emotionen so zu vermitteln, dass sie bis in mein Herz gedrungen sind.
„Die Spätsommersonne kämpfte mit den Wolken, so wie Helena mit den Wolken in ihrer Seele kämpfte(S. 435).“

Man kann gar nicht anders, als durch diese Wortwahl Helenas Leid am eigenen Leibe zu verspüren.
Fragen wie „Wird Helena das Gut retten könnnen?“ oder, ob sie es schafft, sich geschickt aus dem Intrigenspiel zu ziehen, erhalten die Spannung bis zum Ende.

Mich hat sehr beeindruckt, wie Helena trotz allem Haltung bewahrt. Das macht sie einem als Leser besonders sympathisch, fast schon zu einem Vorbild, zu einer Heldin.

„Ihr fühlt euch so sicher in Eurem Spinnennetz, dass ihr vergesst, wozu jemand in der Lage sein könnte, der nichts mehr zu verlieren hat(S. 423).“ Das trifft Helenas Situation gegen Ende recht gut.

Zudem habe ich mit diesem Buch einen informativen Einblick in die damalige Zeit bekommen, insbesondere, wie es zu Hofe zuging, was für eine Macht eine Mätresse innehaben konnte und vor allem, wie die Mentalität damals war. Die Umgangsformen.
Das einzige, was ich zu bemängeln hätte, wären möglicherweise einige Ereignisse in den letzten Kapiteln. Auch wenn es dazu beitrug, das Ende der Geschichte maßgeblich zu begründen, leider zum Leidwesen der Glaubhaftigkeit. Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht allzu viel verraten, da ich sonst spoilern müsste.

Fazit:

Durch und durch gut umgesetzt. Ein gelungener Kompromiss zwischen stetig ansteigender Spannung; Gedanken, die einem mitgegeben wurden, und einem ersten Einblick in das Leben zu Hofe um 1682/84.
Martha Marcus hat mich mit diesem Buch so überzeugt, dass ich es kaum erwarten kann, auch ihre anderen Werke zu lesen.

[Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar von Bastei Lübbe. Auch vielen Dank für die Leserunde, in der ich die Autorin näher kennenlernen durfte – eine rundum sympathische Frau!]

 

 

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